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Mann in der Werkstatt
Bild: AdobeStock

Leidenschaft und Leiden schafft


Klaus Barucker ist Tischler mit Leib und Seele – und genau das wurde ihm fast zum Verhängnis. Mit Herzblut, Mut und einer Portion Naivität stürzt er sich in die Selbstständigkeit, träumt von Freiheit, Kreativität und zufriedenen Kunden. Doch schnell merkt er: Wo Leidenschaft ist, ist auch Leiden – Papierkram, Preisdruck, schlaflose Nächte und die ständige Angst vor der nächsten Rechnung.

Seine Geschichte zeigt, wie aus Leidenschaft echtes Leiden schafft, aber auch, wie beides zusammen die wichtigste Lektion des Handwerks lehrt: Nur wer dranbleibt, kann wachsen – im Holz, im Handwerk und im Leben.

Klaus Barucker hat seine Preise anfangs falsch kalkuliert, und das hat viele Ursachen gehabt – oft aus Idealismus, Unerfahrenheit oder schlicht Unkenntnis über alle Kostenfaktoren.

 

Grundlagen der Preiskalkulation im Handwerk


Die klassische Zuschlagskalkulation im Handwerk gliedert sich in drei zentrale Bereiche, die den Preis eines Produkts oder einer Leistung bestimmen:

  1. Materialkosten
    Dazu zählen alle direkt für das Produkt oder die Leistung benötigten Materialien – Holz, Schrauben, Beschläge, Leim, Farben usw. Es ist wichtig, die Preise aktuell zu halten und Verschnitt, Abfall oder Nachbestellungen einzukalkulieren.

  2. Arbeitskosten
    Hier fließen die Löhne der Mitarbeiter ein, einschließlich Zuschläge für Überstunden, Urlaub oder Krankheit. Außerdem sollte der Unternehmer seinen eigenen Stundenlohn berücksichtigen. Die Arbeitskosten ergeben sich aus der kalkulierten Zeit für die Fertigung multipliziert mit dem entsprechenden Stundensatz.

  3. Gemeinkosten
    Unter Gemeinkosten fallen alle betrieblichen Fixkosten, die nicht direkt auf ein Produkt zugeordnet werden können: Miete, Maschinenabschreibungen, Versicherungen, Energie, Verwaltungskosten, Werkzeugverschleiß etc. Diese werden über Zuschlagsätze auf die einzelnen Leistungen verteilt.

Die Summe aus Material-, Arbeits- und Gemeinkosten plus einem kalkulierten Gewinn ergibt den Endpreis.

 

Vorgehen bei der Kalkulation


Schritt 1: Projekt analysieren

      • Was genau wünscht der Kunde? (z. B. Möbelstück, Innenausbau, Reparatur)
      • Gibt es Sonderwünsche oder komplexe Details?

Schritt 2: Materialbedarf ermitteln

      • Präzise Planung der benötigten Materialien und Mengen.
      • Angebote von Lieferanten vergleichen und eventuelle Rabatte einholen.

Schritt 3: Arbeitsaufwand einschätzen

      • Für Standardprojekte auf Erfahrungswerte zurückgreifen.
      • Für neue Aufgaben Zeitpuffer einplanen, um Unwägbarkeiten zu berücksichtigen.

Schritt 4: Gemeinkosten anteilig berechnen

      • Monatliche Fixkosten auf durchschnittliche Projekte verteilen.

Schritt 5: Angebotspreis berechnen

      • Alle Kosten addieren und die Gewinnmarge hinzufügen.

Tipps für eine professionelle Angebotsgestaltung im Handwerk


  1. Transparenz schaffen

    • Das Angebot sollte klar strukturiert und leicht verständlich sein.
    • Material- und Arbeitskosten getrennt aufführen, wenn möglich.

  2. Klare Projektbeschreibung

    • Exakte Beschreibung der Leistungen: Maße, Materialien, Verarbeitung.
    • Optional: Alternativangebote für günstigere oder hochwertigere Materialien.

  3. Verbindlichkeit und Gültigkeit

    • Angebot mit einer Gültigkeitsdauer versehen (z. B. 30 Tage).
    • Hinweise zu Mehrkosten bei Änderungswünschen.

  4. Kalkulationssoftware nutzen

    • Tools wie „Collmex Handwerk“ oder „Meisterkalk“ können die Arbeit erleichtern.
    • CALC oder Excel-Tabellen oder individuell programmierte Lösungen können ebenfalls effektiv sein.

  5. Zahlungsmodalitäten festlegen

    • Ratenzahlungen bei großen Projekten: z. B. 30 % Anzahlung, 40 % Zwischenzahlung, 30 % Schlusszahlung.
    • Zahlung nach Abnahme oder innerhalb von 14 Tagen.

 

CALC/EXCEL -Tabellen oder individuell programmierte Lösungen sind ebenfalls sehr effektiv!

 

Beispiel: Esstisch aus Massivholz

  • Materialkosten:
    1. Eiche (Platten, 2 m²): 200 €
    2. Leim, Lack: 20 €
    3. Beschläge: 30 €
    4. Summe Materialkosten: 250 €

  • Arbeitskosten:
    1. Zuschnitt und Verleimung (5 Std. à 50 €): 250 €
    2. Oberflächenbehandlung (3 Std. à 50 €): 150 €
    3. Summe Arbeitskosten: 400 €

  • Gemeinkosten (z. B. 20 % der Arbeitskosten): 80 €

  • Gewinnmarge (15 % auf Gesamtkosten): 110 €

  • Gesamtpreis: 840 €

 

Häufige Fehler vermeiden


  • Unterschätzung des Zeitaufwands: Immer realistisch kalkulieren und Zeitpuffer einplanen.

  • Materialpreise nicht aktualisieren: Regelmäßig Lieferantenpreise prüfen, um Kostenexplosionen zu vermeiden.

  • Gemeinkosten vergessen: Auch versteckte Betriebskosten einrechnen.

  • Gewinnmarge zu niedrig ansetzen: Ein Handwerksbetrieb muss nachhaltig wirtschaften.

 

Muster-Kalkulationstabelle für Tischler- und Schreinerbetriebe


Position Beschreibung Einheit Menge Einzelpreis (€) Gesamtpreis (€)
Materialkosten Kosten für Holz, Beschläge, Lacke etc. m²/kg/etc. X XX,XX XXX,XX
Arbeitszeit Schreinerleistung (z. B. 50 €/Stunde) Stunden X XX,XX XXX,XX
Maschinenkosten CNC-Maschine, Hobelbank, etc. Stunden X XX,XX XXX,XX
Fahrtkosten Anfahrt zum Kunden (z. B. 0,30 €/km) Kilometer X XX,XX XXX,XX
Montage vor Ort Zusammenbau und Installation Stunden X XX,XX XXX,XX
Sonstige Kosten Verpackung, Lieferung, Entsorgung etc. Einheit X XX,XX XXX,XX
Zwischensumme Netto | Gesamte Kosten ohne Steuern XXX,XX
Mehrwertsteuer (19%) | Steuerbetrag auf die Zwischensumme XXX,XX
Gesamtsumme Brutto | Endpreis inklusive Mehrwertsteuer XXX,XX

 

Hinweise zur Verwendung:

  1. Materialkosten: Hier sollten alle notwendigen Materialien aufgelistet werden. Wichtig ist eine genaue Mengen- und Preisberechnung.

  2. Arbeitszeit: Schätzen Sie realistisch, wie lange die Arbeiten dauern, und setzen Sie einen fairen Stundenlohn an. Beispielsweise könnte ein Stundensatz von 50 € angesetzt werden, der sowohl die Personalkosten als auch einen angemessenen Gewinnanteil berücksichtigt.

  3. Maschinenkosten: Berücksichtigen Sie Kosten für den Einsatz von Maschinen und kalkulieren Sie diese auf Stundenbasis. Zum Beispiel können für die Nutzung einer CNC-Maschine spezifische Stundensätze in Höhe von 15 € bis 50 € je nach Betriebsart und Wartungsaufwand anfallen.

  4. Fahrtkosten: Rechnen Sie Anfahrtswege und Transportkosten ein, um unerwartete Verluste zu vermeiden.

  5. Sonstige Kosten: Denken Sie an alle weiteren Faktoren, wie z. B. Verpackungsmaterial, Entsorgungskosten oder Sonderaufwendungen wie die Anfertigung spezieller Verpackungen für empfindliche Produkte.

Diese Tabelle kann als Grundlage dienen, um detaillierte Angebote zu erstellen. Die Einträge und Preise müssen natürlich an die spezifischen Anforderungen des Projekts angepasst werden.

 


 

 

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Alexia Bigou
Alexia Bigou
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